Die aktuelle Predigt

Pfarrer Hans Veit

 

 

 

 

 

Hier finden Sie die aktuelle Predigt vom letzten Gottesdienst.

Aktuelle Predigt:

Wir hörten vorhin eine Gleichnisgeschichte Jesu – das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg. Stellen Sie sich vor, liebe Gemeinde, die Tagelöhner kommen am Abend jenes denkwürdigen Tages nach Hause zu ihren Familien. Die warten schon sehnsüchtig darauf, dass der Vater den Tagelohn heimbringt, den Silbergroschen - denn den braucht man, um das Getreide zu kaufen, mit dem die Hausfrau das Brot backen kann; sonst gibt es nichts zu essen.

 

Da ist nun also der erste Tagelöhner. Mit zornrotem Gesicht und laut schimpfend poltert er in die Stube. Die Kleinen beginnen zu weinen, denn sie befürchten, dass es heute keine Arbeit gab – und dafür schon wieder Hunger. Wütend wirft der Vater den Silbergroschen auf den Tisch und schreit: „So eine Gemeinheit! Den ganzen Tag haben wir uns geschunden. Schier umgekommen sind wir in der Hitze. Zwölf Stunden lang!“

 

„Na und?“, fragt die erstaunte Ehefrau: „Ist das nicht jeden Tag so?“

 

„Nein, eben nicht. Die anderen, die sind erst eine Stunde vor Feierabend aufgetaucht, als es schon längst nicht mehr so heiß war und als ohnehin das meiste geschafft war. Nur eine einzige Stunde haben sie gearbeitet. Von Rechts wegen hätten sie nur den 12. Teil eines Silbergroschens kriegen dürfen. Aber sie wurden nicht nur vor uns ausgezahlt. Nein, sie erhielten auch noch einen ganzen Silbergroschen. Ha, habe ich gedacht, wenn der Weinbergbesitzer so großzügig ist, dann bekommen wir 12 Silbergroschen, wenn es mit rechten Dingen zugeht. Und was ist. Einen einzigen, lumpigen Silbergroschen hab ich erhalten, und dabei hab ich doch den ganzen Tag geackert und geschuftet.“

 

So oder ähnlich mag es zugegangen sein bei der Rückkehr des ersten Tagelöhners. Der Tag und die Stimmung am Familientisch waren dahin.

 

Aber nun zu dem, der als Letzter zur Arbeit gekommen war. Strahlend kommt er nach Hause und zeigt seinen silbernen Groschen wie einen Schatz. „Was soll denn das?“, versucht ihn die Frau zu bremsen: „Du tust ja gerade als hättest du eine Million im Lotto gewonnen. Ein Silbergroschen Tageslohn, das ist normal. Der Tariflohn, nichts Besonderes!“

 

„Doch, doch!“, fällt der aufgeregte Vater seiner Frau ins Wort: „Stell dir vor, ich habe den ganzen Tag keine Arbeit gefunden. Auf dem Marktplatz sind wir herumgestanden und haben gewartet und gewartet, dass einer käme, der uns braucht. Aber nichts war’s. Ich hab mir schon ausgemalt, wie das ist, wenn ich ohne Geld nach Hause komme. Dein enttäuschtes Gesicht hab ich vor mir gesehen und die Tränen der Kinder. Aber dann kam da doch noch einer, ein vornehmer Herr. Er braucht noch ein paar Leute, damit vor Feierabend sein Weinberg fertig wird, hat er gesagt. Natürlich bin ich gleich mitgekommen. Als dann Feierabend war, hab ich gedacht: O je, was werde ich da kriegen, eine kleine Münze vielleicht. Einen Heller. Wenn überhaupt. Mehr ist nicht drin. Und dann werden wir aufgerufen. Ich als erster. so hat es der Chef angeordnet. Und wie ich gucke, was ich in der Hand habe, da ist es ein ganzer Silbergroschen. So viel als hätte ich den ganzen Tag gearbeitet!“

 

Die Mutter staunt: „Das muss aber ein guter Mensch sein, der Weinbergbesitzer. Der hat gewusst, dass wir alle Hunger haben und den Silbergroschen zum Leben brauchen. Wie schön, dass es noch solche Chefs gibt!“ Und so wurde es ein glücklicher Abend in dieser Familie.

 

Ein Silbergroschen jeweils, und so unterschiedliche Reaktionen. Freude bei den Einen und bittere Enttäuschung bei den anderen. Wie ungeschickt vom Weinbergbesitzer, könnte man einwenden. Warum hat er auch die letzten zuerst ausbezahlt. Hätte er den Ersten zuerst ihren Silbergroschen gegeben, wären die nach Hause gegangen, müde von des Tages Arbeit, aber doch zufrieden und auch ein wenig glücklich, dass sie Arbeit und Lohn hatten für diesen Tag.

 

Wenn es so zugehen würde in den Arbeitsverhältnissen dieser Erde, bei Wolf oder Kieselmann oder Neumo, bei der Gemeindeverwaltung, im Handwerk oder in der Landwirtschaft, keiner würde mehr um 6 Uhr auf der Matte stehen und den Arbeitsvertrag einhalten, wenn man doch mit einer Stunde Arbeit dasselbe verdienen kann.

 

Hier bin ich zum ersten Mal in den Gedanken über dieses Gleichnis Jesu gestolpert. Geht es nicht in Wirklichkeit manchmal so ungerecht zu in unserer Gesellschaft? Viele Landwirte könnten ein Lied davon singen. Sie bekommen eben nicht, was Recht ist. Sie schuften 16 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche ohne Urlaub und Wochenende und am Ende bekommen sie kaum etwas oder nichts für ihre Mühe. Manche leben von der Substanz. Die Erträge für Milch und Getreide decken die Kosten nicht mehr, und am Abend eines jeden Tages sind manche ärmer als am Morgen.

 

Und dies gilt nicht nur für die Landwirte. Lebensmittelspekulationen treiben die Getreidepreise für Menschen in den armen Ländern dieser Erde so in die Höhe, dass die sich den täglichen Reis oder das tägliche Brot nicht mehr leisten können. Die Überschüsse unserer billigen Lebensmittel ruinieren hier und dort die Lebensgrundlagen von Landwirten.

 

Und viele andere verdienen in einer 35-Stundenwoche und sechs Wochen Urlaubsanspruch das Mehrfache des Lohnes eines Landwirtes.

 

Wir halten fest: Längst nicht alle bekommen, was Recht ist, was sie von Rechts wegen verdienen und erst recht nicht, was sie zum Leben brauchen.

 

Allerdings: Jesus erzählt hier ja keine Erdengeschichte, er erzählt eine Himmelsgeschichte. Und im Himmel, da herrscht ein anderes Tarifsystem, da geht es nach anderen Voraussetzungen. Wer das Gleichnis Jesu genau betrachtet, der merkt, es geht gar nicht um Recht oder Unrecht, um Gerechtigkeit geht; es geht um die Güte. Auf den letzten Satz läuft alles hinaus: „Mein Freund, siehst du deshalb scheel, weil ich so gütig bin?“ - so übersetzt Luther. Mein Freund, wird dein Blick deshalb finster, ist dein Auge - so wörtlich übersetzt - deshalb böse, weil ich so gut bin. So sagt es der Weinbergbesitzer zu jenem ersten Arbeiter.

 

„Mein Freund, siehst du deshalb scheel, weil ich so gütig bin. Verfinstert sich dein Blick, wird dein Auge böse, weil ich so gut bin?“- das ist die Frage, die Gott an uns richtet - heute Morgen - an jeden von uns.

 

Mein Freund, nennt er uns. Auch dann, wenn wir manchmal neidisch auf den anderen blicken. „Mein Freund, schau genau hin. Was habe ich getan? Wo ist das Problem? Ich habe mich doch nicht nur um andere gekümmert, ich kümmerte mich in gleicher Weise auch um dich. Beide – der andere und du – beide erhalten den Lohn, den ihr braucht, um zu leben! Nicht, was ihr – weltlich gesprochen – verdient habt, sondern das, was ihr braucht. Wenn du genug geschimpft und geklagt hast, dann komme kurz zur Besinnung. Du hast keinen Grund zur Klage – du hast das, was du brauchst. Halt ein, damit dein Blick hell wird und dir eben nicht das Leben verfinstert.“

 

Was wäre, wenn dieses Reden Gottes die Stimmung bei jenem ersten Arbeiter zu Hause drehen würde? Wenn er nach einiger Zeit den Groschen in die Hand nimmt und ihn seinen Kindern zeigt:

„Seht ihn euch genau an! Wir sind reich. Wir haben genug für diesen Tag zum Leben. Das habe ich eigentlich nicht verdient. Ich habe es nicht verdient, dass ich heute Morgen gleich ganz früh eingestellt wurde. Ich habe es nicht verdient, dass ich die Kraft hatte, zwölf Stunden hart zu arbeiten in der großen Hitze. Ich habe es nicht verdient, dass ich heute Abend zufrieden ins Bett falle mit dem Wissen, ich wurde gebraucht. All das habe ich nicht verdient!“ – und in der Stille denkt er weiter: „Und die haben es auch nicht verdient. Sie haben es nicht verdient, dass sie den ganzen Tag auf dem Marktplatz stehen mussten mit dem Gefühl, nicht gebraucht zu werden und mit der Angst, wovon werden wir morgen leben? Sie haben ihren Silbergroschen auch wirklich nicht verdient für eine Stunde Arbeit. Doch ich sehe jetzt: Beide wurden reich beschenkt – der andere und ich.“

 

Was wäre, wenn uns das Gleichnis Jesu eben so berühren würde. Dass wir dankbar erkennen, wie reich wir beschenkt sind von Gott. Das ich nicht neidisch auf das schauen muss, was der andere hat, sondern ich dankbar wahrnehme, was ich zum Leben habe. Dass aus unserem Schielen nach dem eigenen Glück ein offener Blick werden kann, der das Leben hell macht, weil ich um die Güte weiß, die mir geschenkt ist und weil ich das Wohl des anderen im Blick habe.

 

Mit seiner offenen Geschichte lädt Jesus uns ein zum dankbaren Staunen: Das habe ich nicht verdient. Das ist lauter Güte. Ich bin reich beschenkt – so reich, dass ich sogar noch mit anderen teilen kann.

 

Das könnte dann zum Anlass werden, dem anderen das zugestehen, was recht ist. Am Beispiel von vorher angeknüpft könnte das heißen: Ich bin bereit für Lebensmittel das zu zahlen, was sie wirklich wert sind. Für die Milch, für das Getreide, für das Gemüse. Ich bin bereit von meinem Überfluss zu geben, damit der andere zu seinem Recht kommt. Dass auch er, wie ich, einen gerechten Lohn erhält.

 

Wir bitten heute um eine gute Ernte. Das Gleichnis zeigt uns dabei, dass dafür nicht nur das richtige Klima in der Natur, sondern auch das Klima zwischen uns Menschen wichtig ist. Eine gute Ernte ist es auch dann erst, wenn die Landwirte davon leben und ihre Familie ernähren können. Dass auch sie erhalten, was recht ist.

 

Also: Lasst uns mit offenen Augen durchs Leben gehen. Lasst uns heute neu entdecken, was Gott uns jeden Tag schenkt. An Gaben, an Begegnungen, an Kraft und Liebe. Dieser dankbare Blick verhindert, dass wir scheel auf andere sehen – und er fördert, dass wir aufeinander achten und schauen, dass auch andere reich beschenkt werden. Dass alle bekommen, was Recht ist, was sie von Rechts wegen verdienen und erst recht, was sie zum Leben brauchen. Amen

 

(Gedanken aus den Materialien zum Erntedankgottesidenst)

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