Die aktuelle Predigt

Pfarrer Hans Veit

 

 

 

 

 

Hier finden Sie die aktuelle Predigt vom letzten Gottesdienst.

Aktuelle Predigt:

Predigt 1. Sonntag n. Epiphanias

Betrachtung zur Jahreslosung II

     

Liebe Gemeinde,

bereits an Neujahr hat uns die Jahreslosung 2018 beschäftigt. „Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst." Wir nahmen jedes Wort der neuen Jahreslosung einzeln unter die Lupe und schauten, was es für uns bedeuten kann. Wir fragten nach, was Lebensdurst ist und was unseren Durst nach Leben stillt. Stichworte wie Sehnsucht nach Anerkennung und Wertschätzung, nach bedingungsloser Liebe und Annahme, nach Ruhe und Selbstbestimmung wurden genannt. Ein sinnvolles und glückliches Leben haben, nicht nur vegetieren, sondern Leben aus der Fülle – dann ist mein Durst nach Leben gestillt.

 

Ich möchte mit Ihnen heute Morgen die Jahreslosung zunächst weniger aus unserer Perspektive, sondern mehr aus dem ursprünglichen Zusammenhang betrachten.

 

Die Jahreslosung steht im letzten Buch der Bücher, im Buch der Offenbarung. Die Christen, an die dieses Buch ursprünglich geschrieben ist, sind in einer schwierigen Situation. Wir schreiben das Ende des ersten Jahrhunderts. Jesus ist gerade mal vor 70 Jahren am Kreuz umgebracht worden und drei Tage später seinen Jüngern erschienen. Die junge Christenheit ist unter Druck. Der römische Kaiser Domitian verlangt von seinen Bürgern, dass sie ihn als Kaiser und Gott verehren. Für Christen ist dies undenkbar. Sie beten keinen Menschen als Gott an. Für sie gibt es nur einen Gott, den Vater Jesu Christi. Den Gott, der Mensch geworden ist. Der für sie gestorben und auferstanden ist. Des Kaisers Handlanger sind deshalb die Christen – und natürlich auch die Juden – ein Dorn im Auge. Und wahrscheinlich gehen sie mit einer größeren Härte, als es der Kaiser tun würde, gegen diese in ihren Augen religiösen Rebellen vor. Die Christen werden verfolgt. Eine schwierige Zeit beginnt für die jungen Gemeinden.

 

In dieser Zeit wird Johannes gefangen genommen und auf die kleine griechische Insel Patmos verbannt. Dort geschieht etwas Außergewöhnliches: Jesus erscheint ihm in einer bilderreichen Schau. Das Buch beginnt mit der Aussage: „Dies ist die Offenbarung durch Jesus Christus, die Gott ihm gegeben hat. Denn er sollte seinen Dienern vor Augen führen, was in Kürze geschehen muss. Diese Offenbarung ließ Christus wiederum seinem Diener Johannes durch seinen Engel bekannt machen.“

 

Das Buch der Offenbarung ist ein nüchterner, aber vor allem trostvoller Blick in die Zukunft. Dieser Blick soll den verfolgten und leidenden Christen eine Perspektive zeigen. Im Blick auf die Jahreslosung könnt man die Kernaussage so formulieren: „Was immer auch auf euch zukommt, so sehr ihr auch in Not geratet, Jesus kennt die Durststrecke in eurem Leben. Und er ist immer größer und mächtiger als diese Nöte. Er sitzt im Regimente und nicht der Kaiser in Rom.“

 

Grundlage dieses in unseren Augen manchmal geheimnisvollen und schwierigen biblischen Buches ist die Erkenntnis, dass Gottes rettendes Handeln bereits geschehen ist. Christus hat uns von der Macht der Sünde und des Todes errettet. Wir sind jetzt schon ein Teil der Herrschaft Gottes. Die Absicht des Buches ist vor allem die Ermutigung der christlichen Gemeinde. Sie sollen den Durchblick erhalten und sehen, dass das Böse und der Böse noch Raum in dieser Welt haben, dass aber in Christus diese Mächte bereits besiegt sind. Wer zu Jesus gehört, soll dem Trost und dem Heil gewiss sein. Dessen Perspektive ist die neue Zeit, in der Tränen, Trauer, Geschrei, Schmerz und Tod keine Macht mehr haben.

 

In diesem Zusammenhang will also die Jahreslosung 2018 gelesen und verstanden sein – als Trost und Zuversicht. „Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst."

 

Im Zentrum unseres Bibelverses steht das Wasser. Trinkbares Wasser war auch in neutestamentlicher Zeit ein hohes Gut. Es floss damals natürlich nicht aus den Wasserhähnen. Viele mussten es aus Brunnen, Quellen oder Bächen schöpfen. Der tägliche Gang zu diesen Wasserquellen war nötig. Für das die wasserarmen Regionen ist die Wichtigkeit des Trinkwassers als Element des Lebens kaum zu überbieten.

 

Das lebensspendende Wasser wurde in den Städten des römischen Reiches schon früh in Kanälen oder Röhren gefasst und dadurch den Menschen kontrolliert zugeführt. Die Offenbarung redet von Wassern auf den Straßen. Sie sind kristallklar, verlaufen kanalisiert. Sie ermöglichen Leben und Wachstum. Sie garantieren ein Stück weit Sicherheit. Die Ströme aus dem Buch der Offenbarung sind als solches Wasser zu verstehen. Das lebensspendende Wasser, von dem unsere Jahreslosung und die biblische Überlieferung sprechen, fließt und strömt. Es ist stets frisch.

 

Toll, wer Zugang zu solch einer Wasserquelle hat. Der muss nicht sparsam damit umgehen. Im Gegenteil: Es ist der Überfluss des strömenden Wassers, welcher den Unterschied zu vielen anderen Regionen der damaligen Welt macht. Aus diesem Grund ist die Quelle dem Wasserspeicher hoch überlegen. In Jeremia 2,13 betont Gott diesen Unterschied und kritisiert sein Volk: „Denn mein Volk tut eine zwiefache Sünde: Mich, die lebendige Quelle, verlassen sie und machen sich Zisternen, die doch rissig sind und das Wasser nicht halten.“

 

Hier wird etwas deutlich: Wir können Gott und seine Zuwendung nicht konservieren. Wir können in Glaubensdingen nicht von angelegten Vorräten zehren. Allein im direkten, unmittelbaren Gottesbezug liegt das Heil der Menschen – in der Verbindung zur Quelle. Die in christlichen Kreisen gerne gebrauchte Metapher vom „Auftanken" ist mit Vorsicht zu genießen – sie ist missverständlich. Glaube kann nicht abgefüllt und aufbewahrt werden. Glauben bedeutet, an der Quelle zu sein und an ihr zu bleiben - bei Gott selbst. Insbesondere im Johannesevangeliums und in der Offenbarung des Johannes wird dies betont.

 

Und etwas Zweites wird uns im Johannesevangelium gesagt: Die Glaubenden bekommen in Christus nicht allein Zugang zu der Quelle des Lebens, sondern sie werden selbst zur Quelle. Aus ihnen quillt Lebenswasser hervor, das anderen wiederum zum Heil wird. Dahinter verbirgt sich, dass Jesus selbst als Lebensquelle in den Glaubenden wohnt, und aus ihnen „herausfließt". „Wer in mir bleibt und ich in ihm, bringt automatisch Frucht.“, sagt uns Jesus.

 

Ich erinnere in diesem Zusammenhang an die Begegnung der jungen Frau mit Jesus am Jakobsbrunnen – auch eine Erzählung, die uns nur bei Johannes erzählt wird. Da sagt Jesus: „Wer von diesem Wasser hier trinkt, bekommt wieder Durst. Aber wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, wird nie wieder Durst haben. Denn das Wasser, das ich ihm gebe, wird in ihm zu einer Quelle: Ihr Wasser fließt und fließt – bis ins ewige Leben.“

 

Aus diesem Zusammenhang erhält das Stichwort „Durst nach Leben“ eine Präzision. Der Mensch ist bedürftig. Unsere Seele dürstet nach Leben. In der Offenbarung wird gezeigt: Dieser Durst ist eigentlich der Durst nach Gott. Der Durst nach dem, dem wir alles Leben verdanken und der alles Leben vollenden wird.

 

Lebensdurst äußert sich in vielfacher Hinsicht. Menschen verspüren Durst nach Anerkennung, nach Liebe, nach Unsterblichkeit, nach Reichtum, nach Glück, nach Wissen oder nach Freiheit. Im Grunde, so die Botschaft der Bibel, verbirgt sich dahinter jedoch stets die Sehnsucht nach dem ewigen, lebensspendenden Wasser. Der Psalmist drückt es so aus: „Es dürstet meine Seele nach dir, mein Leib verlangt nach dir aus trockenem, dürrem Land, wo kein Wasser ist“

 

Die Jahreslosung 2018 im Kontext der Offenbarung gelesen fokussiert unseren Blick also zuerst auf das eine: „Du Mensch hast Durst auf Leben – auf ein Leben mit Gott. Auf ewiges Leben. Du kannst dieses Bedürfnis verdrängen – aber es holt dich immer ein. Du kannst Ersatzdurstlöscher suchen und anwenden, aber sie werden deinen Durst nach diesem Leben nicht stillen. Das kann nur Gott selbst. Und dazu noch: Er stillt diesen umsonst. Gott macht kein Geschäft mit deiner Sehnsucht, wie wir es oft in unserer Welt erleben. Er schenkt dir lebendiges Wasser umsonst.“

 

„Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst." Nicht nur den bedrängten Christen im ersten Jahrhundert. Nicht nur den verfolgten Christen heute in vielen Regionen dieser Welt. Auch uns gilt dieses Wort. Jeden Tag neu: „Ich spüre deine Sehnsucht nach Leben. Ich stille deinen Lebensdurst. Umsonst – einfach geschenkt. In der Verbindung zu Jesus Christus bist du an der Quelle. Und kannst trinken ohne Ende. Bis in alle Ewigkeit.“ Amen

 

 

 

Betrachtung I zurJahreslosung 2018 (Predigt Neujahr)

(Jahreslosung durchbuchstabieren)

 

 

Ich

Das erste Wort der Jahreslosung ist das markante »Ich« Gottes. Es ist in zweierlei Weise auffällig.

Die erste Auffälligkeit: Nur an dieser Stelle haben wir in der Offenbarung des Johannes, aus der die Jahreslosung stammt, eine eindeutige Gottesrede! Es ist also die einzige Stelle, an der Gott direkt zu Wort kommt. Ich schließe daraus: Da muss es um etwas ganz Besonderes gehen. Etwas, was Gott ganz besonders wichtig ist.

 

Die zweite Auffälligkeit ist das im griechischen Text vorangestellte »ego«. Ego heißt Ich. Da im Griechischen das Subjekt bereits im Verb enthalten ist, kommt das zusätzliche Personalpronomen nur sehr selten vor. Also schon im Verb „geben“ ist klar, wer gibt: Ich will geben“. Markant begegnet  uns uns dieses ego in den »Ich-bin-Worten« des Johannesevangeliums.

 

Im Grunde müsste bei der Übersetzung das »Ich« jeweils doppelt genannt werden, um diese Hervorhebung auch im Deutschen deutlich zu machen. »Ich, ich werde dem Dürstenden geben ...« und zwar im Sinne von: »Ich selbst«, oder: »Ich und kein anderer«.

 

Der lebendige Gott redet zu Johannes und zu uns. Sein »Ich« steht am Anfang unserer Jahreslosung.

 

will

Es geht um Gottes Wille. Er möchte etwas – und er möchte dies ganz gern. Normalerweise geschieht ja, was Gott will. Er sprach „Es werde Licht“ und es ward Licht. So steht es in den ersten Zeilen der Bibel. Wenn Gott etwas will, geschieht es.

Aber dieses „will“ ist etwas anderes. Es ist ein Angebot. „Ich will dir helfen, aber du musst dir helfen lassen. Ich will dich beschenken, aber du musst dich beschenken lassen wollen.“ Gottes Wollen zwingt nicht – es ist immer ein Angebot.

 

 

Lied:

EG 587, 1: Ich bin das Brot

 

 

dem Durstigen

Der Empfänger des Verheißungswortes ist der dürstende Mensch. Dieser wird im Singular angesprochen. Einige Übersetzungen wechseln in den Plural (»Allen Durstigen«, Hoffnung für alle) oder sie verallgemeinern die Aussage durch Relativsätze (»Wer Durst hat«). Diese Ausweitung auf den Plural ist sachlich bestimmt nicht falsch.

Dennoch scheint mir der Singular wichtig, Gott hätte ja auch im Plural formulieren können, er tut es aber nicht. Ich verstehe das so: Gott spricht mit mir und dir. Gott spricht per Du. Er spricht die und den Einzelnen an: »Du, die du Durst hast / Du, der du Durst hast, ich will dir geben ...«.

Die Kommunikation geschieht vom einzigen Gott zum einzelnen dürstenden Menschen. Der und die Einzelne ist bei Gott im Blick.

 

Körperlich empfundener Durst ist ein deutliches Symptom für die Bedürftigkeit und Anfälligkeit des menschlichen Lebens. Ohne Nahrung halten wir es eine ganze Weile aus. Ohne Wasser gehen wir schnell zugrunde. In Mitteleuropa sind wir durch Wasserreichtum verwöhnt. Trotzdem ahnen wir spätestens nach einer Bergwanderung oder einem heißen Tag mit körperlicher Arbeit, dass der Mangel an Wasser existenzielle Krisen auslösen kann. Um wie viel mehr gilt das für die Regionen der Erde, die durch Trockenheit und Wüsten gekennzeichnet sind. Hunger und Durst sind die Basisbedürfnisse des menschlichen Lebens. Es ist kein Wunder, dass Jesus unsere Bereitschaft, Hunger und Durst zu stillen, als erstes Kriterium seiner Gerichtsszene in Mt  benennt: „Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben.“ Bzw.: „Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir nicht zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir nicht zu trinken gegeben.“

 

Und noch etwas: Dass Durst ein Wegbereiter der Sucht werden kann, ist offensichtlich. Wenn der Durstlöscher nicht Durst löscht, verlangt es in mir immer nach mehr. Wir wissen, dass Sucht oft Symptom für eine tiefere Leere ist. So kann man auch folgende Aussage eines Betroffenen lesen: »Alle reden von meiner Trinkerei, aber niemand von meinem Durst.«

 

Durst nach Leben – Lebensdurst: So wie mein Körper Flüssigkeit braucht um Leben zu können, braucht meine Seele Lebenswasser der besonderen Art.

 

Was ist denn das konkret – die Sehnsucht nach Leben, Durst nach Leben?

 

Mir fällt eine junge Mutter ein, die sagt: „Wonach ich mich sehne? Ach, ich will endlich mal Ruhe, endlich mal abschalten, keiner, der was von mir will. Nicht den ganzen Tag „Mama“….Ich muss immer funktionieren… Und manchmal habe ich den Eindruck, ich kriege für das alles dann auch noch einen Fußtritt.“ Ich höre: Sehnsucht nach Anerkennung und Wertschätzung, aber auch nach Ruhe, nach einer Zeitgestaltung aus eigenen Stücken, Mal einfach Ich sein können, nicht immer nur für andere funktionieren.

 

Oder mir fällt ein Mann in den mittleren Jahren ein: „Ich halte es kaum mehr aus. Tagtäglich in dieser Mühle. Immer dieser grässliche Termindruck. Heute Morgen die Präsentation vor den Kollegen und dem Chef, heute Nachmittag das Kundengespräch und heute Abend wieder nacharbeiten, vorbereiten für morgen. Ja, am liebsten würde ich mal ganz raus, ein halbes Jahr auf die einsame Insel oder in die Berge…“ – die Sehnsucht auch nach Ruhe haben, zu leben und nicht immer nur funktionieren müssen.

 

Ganz anders eine Seniorin mit 75: Sie lebt schon länger allein, seit die Kinder alle aus dem Haus sind und der Mann verstorben ist. Sie würde gern unter Leute gehen, fühlt sich zuhause einsam, möchte endlich mal wieder Ansprache: Es ist die Sehnsucht nach Nähe und Zuwendung, nach Freundschaft, nach Beziehungen – und die Sehnsucht,  gebraucht und gefragt zu werden.

 

Dann ein Jugendlicher, gerade konfirmiert. Demnächst 9. Klasse. Schule findet er alles andere als lustig. Sie macht mich noch kaputt, nächste Woche schon wieder 4 Klassenarbeiten und das Referat letzte Woche, das lief überhaupt nicht… In seinem Zimmer hängt ein Plakat: Heute schon gelebt? Darauf ein junges Paar in einem offenen Cabriolet, ihre Haare fliegen im Wind. Durst nach Leben. Ausbrechen aus dem Alltag. Nicht immer etwas leisten müssen. Eindach sein.

 

Durst nach Leben – ich denke, wir kennen das alle ganz genau.

 

Geben

„Ich will geben“ – sprich: Da ist einer, der hat etwas, was ich nicht habe. Der hat vielleicht gerade das, nach dem ich mich so sehne. Was will er geben? Wörtlich steht im Urtext: Ich will geben von der Quelle des Wassers des Lebens.

 

 

Lied:

EG 587, 2: Ich bin die Quelle

 

 

Quelle des Wassers des Lebens

Wasser ist natürlich auch in der Bibel eine positive, das Leben ermöglichende Größe. Aber das Wasser bedarf einer näheren Bestimmung. Wasser alleine ist ambivalent. Wasser ist auch lebensbedrohlich, vor allem das Meer. Nicht allein, dass Meerwasser für den Menschen ungenießbar ist, der Mensch des Altertums wusste auch genau, dass er die Gewalt des Meeres nicht kontrollieren kann. Für den Menschen in biblischer Zeit war auch jede Seereise mit erheblichen Risiken verbunden. Vom Meer geht Lebensgefahr aus. Daher wundert es nicht, dass der Feind in der Offenbarung des Johannes aus dem Meer kommt.

 

Wasser braucht daher eine erläuternde Ergänzung. Es ist z. B. vom frischen Wasser die Rede oder vom lebendigen Wasser oder von der Quelle. Da ist das Wasser rein und ungefährlich. Die Quelle ist lebensfördernd.

 

In der Jahreslosung werden drei Begriffe zusammen gestellt: Gott wird geben aus »der Quelle des Wassers des Lebens«. - eine Lebenswasserquelle. Aus dieser Quelle darf der Dürstende trinken.

 

An dieser Stelle könnten wir die Geschichte von der Frau am Jakobsbrunnen erzählen – diese Frau, die auch Lebensdurst hat und die mit Jesus darüber ins Gespräch kommt. Am Ende des Gespräches sagt Jesus: »Wer von diesem Wasser hier trinkt, bekommt wieder Durst. Aber wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, wird nie wieder Durst haben. Denn das Wasser, das ich ihm gebe, wird in ihm zu einer Quelle: Ihr Wasser fließt und fließt – bis ins ewige Leben.«

 

Dies ist ein wichtiger Hinweis auch für das Verständnis der Jahreslosung, dass dieses Wasser kein Privatbesitz bleibt, sondern dass es überquillt, hin zu den Anderen.

 

umsonst.

Das letzte Wort der Jahreslosung trägt die höchste Bedeutung. Die griechische Sprache des NT ist in ihrem Satzbau deutlich freier als die deutsche Sprache. Oft fällt auf, dass inhaltlich besonders betonte Worte bewusst an das Ende eines Satzes gestellt werden. Das »umsonst« hätte zum Verb gestellt werden können. »Ich will umsonst geben.« Aber Gott ist es wichtig, dies zu betonen: „Das alles ist umsonst.“

 

Was ist umsonst? »Gar nichts«, sagt mancher und der Zyniker meint: »Umsonst ist der Tod.« Mit »umsonst«, so schön es auch klingt, tun wir uns oft schwer. Schwaben sowieso. Da ist eine Skepsis vorhanden.

 

Das griechische dorean kommt im NT lediglich achtmal vor und es kann — wie im Deutschen — einerseits »kostenlos« und andererseits »vergeblich« bedeuten. Paulus betont, dass er sich für seine Arbeit nicht bezahlen ließ und auch für sein Brot selbst bezahlte. Er hat »umsonst«, aber sicher nicht »vergeblich«, gearbeitet. Die Stellen unterstreichen, dass das Evangelium für uns kostenlos ist. Jesus mahnt seine Jünger in der Sendungsrede, dass sie das Evangelium umsonst empfangen haben und entsprechend auch umsonst weitergeben sollen. Wir dürfen aus dem Evangelium kein Geschäft machen! Im Römerbrief entfaltet Paulus sein Evangelium von der Rechtfertigung des Menschen allein durch Christus, allein aus Gnade, allein durch den Glauben. Dort sagt er: »Sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie vor Gott haben sollen und werden ohne Verdienst (dorean = umsonst) gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist« (Röm 3,23f).

 

Für das Evangelium musst du nichts bezahlen, du brauchst keine Vorleistungen zu erbringen, du kannst es dir schenken lassen, es ist für dich umsonst!

 

 

Lied

NL 66, 1-3: „Leben aus der Quelle“

 

 

Zusammenfassung

Wenn wir den Getränkehandel Nowitzky oder den Getränkemarkt beim EDEKA betreten, fällt sofort eines ins Auge: Getränkekisten und Regale ohne Ende: Wasser, Sprudel, Bier, Wein und Limonaden soweit das Auge reicht. Es gibt eine Unzahl von Angeboten, die angeblich alle Durstlöscher sind. Aber wir wissen alle: Das stimmt so nicht. Die wenigsten Getränke im Angebot löschen einfach den Durst. Viele von ihnen machen sogar mehr Durst – und manche machen süchtig.

 

Ich übertrage: Es gibt auch einen großen Markt für Seelendurstlöscher. Das Internet ist voll damit. Und auch in Knittlingen gibt es Seher und Heiler. Auch auf diesem Markt gibt es Angebote ohne Ende. Nicht alles, was auf dem Markt der Durstlöscher für unsere Seele angeboten wird, löscht den Durst nach Leben. Viele wecken noch mehr Sehnsüchte, als dass sie sie befriedigen. Oder machen süchtig und abhängig. Und sind oft teuer.

 

Die Jahreslosung für 2018 spricht davon, dass Gott den Menschen mit dem versorgt, was seinen Durst nach Leben löscht. Und er verlangt nichts dafür. Er gibt ... und gibt ... und gibt — und erwartet keine Gegenleistung. Alles umsonst.

 

„Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst."

 

In anderen Worten sagt Gott: „Ich will dem geben, der leben will – richtig leben, nicht nur vegetieren. Leben mit Sinn, Leben aus der Fülle. Ich will dem geben, der in tiefste Not gerät. Ich will dem geben, der wirklich braucht und nicht nur gerne hätte. Ich will dem geben, der sich fühlt, als wandere er ohne einen Schluck Wasser durch eine Wüste. Dem die Kehle aus Angst vertrocknet und der nicht mehr weiß, wie er aus seiner verheerenden Situation wieder entkommen soll. Ich will dem geben, der nichts hat. Dem, der nichts vorweisen kann - keine Werke, kein Glaube, nur leere Hände und einen brennenden Durst nach Leben. Genau diesem will ich geben. Und zwar: Wasser aus der Quelle! Keine abgestandene Brühe. Kein gezuckertes Ersatzprodukt, das am Schluss nur noch durstiger macht und nicht hält, was es verspricht. Kein Sixpack, der leer gehen wird. Nein, Wasser aus der Quelle, von dort, wo es immer sprudelt, hell und klar, erfrischend und wunderbar belebend."

 

Gott will deinen Durst löschen.

Umsonst.

Ohne dass du etwas dafür liefern müsstest.

Kein Geld, keine makellose Biografie, keinen Glauben ohne Zweifel.

 

Dieses Wort will uns nun ein Jahr begleiten – als Jahreslosung. Wir sollen es testen. Ausprobieren. Aus der Quelle schöpfen. Den Durst nach Leben stillen. Bei ihm. Amen.

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