Die aktuelle Predigt

Pfarrer Hans Veit

 

 

 

 

 

Hier finden Sie die aktuelle Predigt vom letzten Gottesdienst.

Aktuelle Predigt:

Liebe Gemeinde, ich denke, das kennen wir alle: Wenn wir nur den Duft eines frisch gebackenen Brotes riechen, läuft uns schon das Wasser im Mund zusammen. Wir spüren: Brot ist nicht nur ein Grundnahrungsmittel – es ist auch ein Genuss. Klar, wenn man sehr großen Hunger hat, gar am verhungern ist, dann steht dieser Aspekt ein wenig zurück. Aber auch dann ist ein Stück Brot etwas ganz Besonderes – eine Hilfe in der großen Not. Ja – Lebensretter.

 

In unserem Bibelabschnitt – wir haben ihn als Lesung gerade gehört - geht es auch ums Brot. Ums Brot des Lebens. Ums Himmelsbrot. Es geht also um das geistliche  Brotessen als Grundnahrungsmittel für unsere Seele und unseren Glauben. Und es geht um den Genuss des erfüllten Lebens. Ja, darum geht es auch beim Himmelsbrot und beim biblischen Brot des Lebens – um Genuss und Lebenslust.

 

Ich finde es als eine nette Sichtweise, sich von diesen Gedanken in Gottes Backstube entführen zu lassen. Er ist ja nicht nur der Bäcker des Himmelsbrotes – Martin Luther hat ihn als Backofen dieses himmlischen Grundnahrungs- und Genussmittels bezeichnet. Im Originalton hört sich das so an: „Nun haben wir von Gott lauter Liebe und Wohltat empfangen, denn Christus hat für uns seine Gerechtigkeit und alles, was er hatte eingesetzt und hingegeben, hat alle seine Güter über uns ausgeschüttet, welche niemand ermessen kann; kein Engel kann sie begreifen oder ergründen: denn Gott ist ein glühender Backofen voller Liebe, der da von der Erde bis an den Himmel reicht.“

 

In der himmlischen Bäckerei wird also nicht nur mit Liebe, sondern die Liebe selbst gebacken. Wenn wir von Himmelsbrot oder Brot des Lebens reden, reden wir also von Gottes Liebe und seiner Barmherzigkeit. Himmelsbrot und Lebensbrot sind Ausdruck der großen Liebe Gottes zu seinen Geschöpfen.

 

Wir wissen: Diese Backwaren können wir nicht kaufen; man erhält sie nur als Geschenk. Gnade um Gnade.

 

Im Gespräch Jesu mit den Leuten, das wir in der Lesung hörten, werden drei Produkte aus der himmlischen Backstube erwähnt.

 

Das erste Produkt von dem wir hören, ist das Mannabrot. Ein starkes Geschenk in größter Not. Wir erinnern uns: Das Volk Israel ist unterwegs in der Wüste. Hinter ihm liegt die furchtbare Zeit der Sklaverei. Vor ihnen liegt das verheißene Land. Doch Hunger und Durst auf der Wüstenwanderung lassen beides verbleichen: Auf einmal ist die Zeit in Ägypten gar nicht mehr so schlimm. Schließlich gab es da wenigstens etwas zu Essen und Trinken. Die Israeliten sehnen sich zurück nach den Fleischtöpfen Ägyptens.

 

So ist der Mensch: Kommt er in persönliche Not, kann er rasch den realistischen Blick verlieren. Dann wird die Vergangenheit idealisiert. Dann wird vergessen, wie schlimm das Leben in der Sklaverei wirklich war – und wie groß das Wunder der Befreiung. Es werden Stimmen laut die sagen: „Hätte uns doch Gott lieber in Ägypten gelassen, anstatt uns jetzt hier in der Wüste verhungern zu lassen.“ Und auch der Blick in die Zukunft ist verblasst. Ob man Gott überhaupt trauen kann? Ob es das verheißene Land überhaupt gibt? Ob wir es je erreichen? Und nicht wenige sind sich sicher: „Das kannst du vergessen. Diese Hoffnung kannst du begraben!“

 

Gegen dieses Murren, gegen diese Hoffnungslosigkeit hat Gott Himmelsbrot gebacken. Es fällt jeden Morgen vom Himmel und sättigt die Menschen. Es hat eine ganz besondere Eigenschaft. Dieses süßliche Himmelsbrot hat ein Verfallsdatum. Es hält genau einen Tag. Nur am Wochenende, am Sabbat, verdoppelt sich die Haltbarkeit. Die Israeliten lernen: Es ist genug für jeden da und es ist genug für heute da. Und am Tag des Herrn hält es doppelt so lang, damit man an diesem Tag das Himmelsbrot nicht mühsam einsammeln muss, sondern sich ganz auf Gott einlassen kann.

 

Die Wüstenwanderer kapieren: Leben in der neuen Freiheit wächst nicht damit, dass jeder nur an sich denkt und möglichst viel für sich hortet – Leben in der neuen Freiheit wächst, wo man Gott vertraut, dass er uns das täglich Notwendige schenkt. Nicht die Sorge für das Morgen und Übermorgen, sondern das Vertrauen auf die gute Versorgung am heutigen Tag ist die Grundhaltung eines Gott vertrauenden Menschen.

 

Jeden Tag schenkt Gott dieses Mannabrot. Beim aufmerksamen Kauen des Himmelsbrotes schmeckt man, dass dieses Brot aus besonderen Zutaten gebacken ist. Nicht Mehl, Wasser und eine Brise Salz sind Gottes Backmischung, sondern seine Treue und Barmherzigkeit. Und statt Salz mischt er etwas bei, was Dietrich Bonhoeffer mal so beschrieben hat: „Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern auf ihn verlassen.“ Die Bitte „unser täglich Brot gib uns heute“ im Vaterunser erinnert uns in jedem Gottesdienst daran, dass wir Gott vertrauen sollen und können, dass er für das Heute sorgt – und wir unsere nagende und zermürbende Sorgen für das Morgige einstellen sollen.

 

An eine weitere himmlische Brotsorte erinnerte Jesus die Menschen in diesem Gespräch, das uns heute Morgen beschäftigt. Auslöser des Gespräches war ebenfalls eine ganz besondere Himmelsbroterfahrung. Direkt vor dieser Begegnung geschah etwas, was der Evangelist Johannes als ein Zeichen beschreibt: 5.000 Menschen werden satt, obwohl nur fünf Brote und zwei Fische ihnen zur Verfügung standen. Die Geschichte von der Speisung der 5.000.

 

Gott backt also noch ein anderes Brot. Ein Brot, dass sich unter Jesu Händen vermehrt. Er nahm das Brot, dankte seinem Vater im Himmel, brach es und ließ es unter den Hungrigen Menschen verteilen. Sie nahmen sich ein Stück und gaben dann weiter, was sie von ihm erhielten. Sie teilten dieses Himmelsbrot und es wurde für viele zum Brot des Lebens. Alle wurden satt, weil dieses wenige Brot gesegnet war - von Gott durch seinen Sohn.

 

Ein himmlisches Enzym hat Gott in dieses Himmelsbrot hineingebacken. Es regt zum Teilen an. Es schenkt die Freiheit, von dem weiter zu geben, was mir von Gott geschenkt wird: seine Liebe, seine Barmherzigkeit, seine Großzügigkeit, seine Zeit und viele andere Gaben. Dieses himmlische Enzym hat dabei eine besondere Nebenwirkung: Es bringt Menschen zusammen, weckt also die Sehnsucht nach Gemeinschaft. 5.000 Menschen werden nicht nur im Magen satt, sondern erleben eine sagenhafte Gemeinschaft: Reiche und Arme, Junge und Alte, Zweifelnde und Hoffende, Zugewanderte und Einheimische – über alle menschlichen Grenzen hinweg kommen sie zusammen und teilen miteinander. Ein himmlisches Gefühl, dann da entsteht etwas, von dem Jesus so spricht: „Und es werden kommen von Osten und Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes.“

 

Wenn wir miteinander Abendmahl feiern, dann verwenden wir diese Brotsorte bis heute. Das Mahl der Gegenwart des Auferstandenen. Wir nehmen das Brot aus seiner Hand. Bei jedem Abendmahl vernehmen wir es: Er nahm das Brot, dankte seinem Vater im Himmel, brach es und gab es den Seinen. Dieses Brot, das uns zusammenbringt und zusammen hält. Das unseren Hunger nach Gottes Nähe und Menschennähe stillt. Und das sich in uns vermehrt.

 

Die dritte Brotsorte, die Gott in seinem Backsortiment führt, ist sein Meisterstück. Es ist ein Himmelsbrot, das lebendig wird. Alles gibt Gott in dieses Brot hinein: seine ganze Liebe, seine ganze Leidenschaft für die Schöpfung, seine ganze Sehnsucht nach Nähe zu seinen Geschöpfen. Damit diese Brotsorte bei den Menschen ankommt, verpackt er es in ein etwas ungewohntes Material: Er lässt dieses Brot in einem kleinen Kind in einer Futterkrippe zur Welt kommen. An der Seite der Armen und Ohnmächtigen wächst es auf. Es sucht die Nähe zum Verlorenen, isst mit Zöllnern und Sündern. Dieses lebendige Brot gibt jedem eine zweite Chance.

 

Seine ganze Liebe legt Gott in dieses Brot, aber auch seine Tränen, sein ganzes Mitleiden. Auf dem Weg zum Kreuz scheint dieses Lebensbrot seine Kraft zu verlieren. Es beginnt zu schimmeln und scheint nur noch zum Wegwerfen gut zu sein. Doch weil Gott nicht nur seine Tränen, sondern auch seine ganze Hoffnung in dieses Brot gelegt hat, scheitert es nicht am Kreuz, sondern wird auferweckt zu neuem Leben. Dieses Brot begrenzt kein Haltbarkeitsdatum, sondern hält bis in alle Ewigkeit.

 

„Ich bin es“, sagt Jesus. „Ich bin das Brot des Lebens. Wer von mir isst, wird nimmermehr hungern, sondern wir satt sein, lebenssatt.“

 

„Ich bin es,“ sagt Jesus und meint damit: Ich bin im Bild gesprochen diese himmlische Nahrung, die eure Sehnsucht nach Liebe und Anerkennung, eure Sehnsucht nach Sinn und Würde stillt. Auch die Sehnsucht nach der Gemeinschaft mit Gott und die Sehnsucht nach Ewigkeit. Ich baue die Brücke zu Gott und versöhne euch mit ihm.

 

Die Menschen, die damals zu Jesus kamen und ihn in ein Gespräch verwickelten  erhoffen sich, dass Jesus ihnen etwas Neues bringt – neue Erkenntnis, neue Krafterfahrung, vielleicht auch ein neues Wunder. Aber er bringt nur sich selbst. „Ich bin das Brot des Lebens. In mir ist alles, was ihr im Tiefsten sucht.“

 

Ob die Menschen damals enttäuscht waren? Haben sie mehr erwartet? Mehr als diese Antwort: „Ich bin das Brot des Lebens“? Ob wir heute enttäuscht sind? Mehr erwarten?

 

Jesus möchte seinen Gesprächspartner etwas deutlich machen: „Ich spüre es. Ihr habt Hunger – kein Hunger im körperlich-leiblichen Sinn, sondern Hunger der Seele und des Geistes. Lebenshunger. Dieser Hunger trügt nicht – er ist echt.“ Und er macht deutlich: Wir haben das Leben nicht in uns selbst. Leben wird empfangen. Jeder Bissen Brot, den wir essen, erinnert uns: Wir brauchen sozusagen Zufuhr von Leben. Wir leben nicht aus uns heraus, sondern von dem, was wir empfangen. So ist es mit dem rein biologischen Leben – ohne Brot und Wasser verhungern und verdursten wir. Und so ist es auch mit geistlichen Leben: Ohne Brot des Lebens und ohne Wasser des Lebens gibt es kein erfülltes, ewiges Leben. Und Jesus sagt: „Ich bin das Brot des Lebens“.

 

Wir werden nicht satt, wenn wir Brot ansehen – und uns vielleicht sogar ein Urteil darüber erlauben, ob dieses Brot gut ist und sättigt. Nein, wir müssen hineinbeißen, es probieren, es in uns aufnehmen.

 

So auch beim Brot des Lebens. Jesus lädt in diesem biblischen Gespräch mehrmals ein: „Kommt zu mir. Probiert mich, testet mich.“ Und diese Einladung zum Ausprobieren ist dann immer mit einer Verheißung verbunden. „Wer zu mir kommt, wird nimmermehr hungern (V35). „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen (V37). „Wer zu mir kommt und mir vertraut, der hat das ewige Leben (V. 47)“.

 

Mit einem Gespräch beginnt der heutige Predigttext. Man kann das so verstehen: Jesus möchte auch mit uns ins Gespräch kommen. Er stellt auch uns die Frage: „Was denkst du, was brauchst du zum Leben.“ Und wir erkennen: Wir brauchen mehr als Brot für unseren Leib – wir brauchen auch eine Grundnahrung für unsere Seele. Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht. Wir brauchen dieses lebendige Wort, Brot des Lebens, Jesus selbst – Grundnahrung für den ganzheitlichen, den geistlichen, den auf Gott bezogenen Menschen. Grundnahrung für ein Leben mit Ewigkeitswert.

 

In einem Satz fasst Jesus das zusammen: „Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.“

 

Dabei ermöglicht er uns einen Blick in Gottes Backstube. Drei Sortimente von Brot stellt er uns dabei vor: Brot für die Freiheit. Brot für die Liebe. Brot des Lebens. Lassen wir es uns schmecken.

Amen.

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