Die aktuelle Predigt

Pfarrer Hans Veit

 

 

 

 

 

Hier finden Sie die aktuelle Predigt vom letzten Gottesdienst.

"Suche den Frieden und jage ihm nach!"
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Passionsbesinnungen und Ostergottesdienste
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Aktuelle Predigt:

Predigt vom Palmsonntag

 

Liebe Gemeinde,

erinnern Sie sich an den Finanzminister aus Äthiopien, in manchen Bibelübersetzungen als Kämmerer aus dem Morgenland bezeichnet? Wie er in seiner Kutsche sitzt und auf die Schriftrolle in seiner Hand starrt. „Was habe ich mir da angetan?“, mag er sich gefragt haben. Ein Vermögen hat er für dieses Papier ausgegeben, die Schriftrolle des Propheten Jesaja. Geschrieben auf griechisch. Er muss dies also zuerst einmal in seine Sprache, ins äthiopische, übersetzen. Und was er dann versteht, kommt im spanisch vor. Von einem Gottesknecht ist die Rede, der für andere leidet. Zum Glück kommt es dann zur Begegnung mit dem bibelkundigen Philippus. Der Kämmerer stellt ihm die Frage: „Von wem redet der Prophet da, von sich selber oder von jemand anderem?“

 

Vielleicht haben Sie sich vorhin bei der Lesung auch diese Frage gestellt. Kam ihnen dieser Bibelabschnitt aus dem Prophetenbuch des Jesaja auch etwas spanisch vor? Ja: „Von wem redet der Prophet da, von sich selber oder von jemand anderem?“

 

Dass dieser Bibeltext schon immer Menschen bewegt hat, ahnen wir, wenn wir in die Geschichte vom Einzug Jesu in Jerusalem eintauchen, von der der heutige Sonntag seinen Namen hat – Palmsonntag.

 

Sehnsuchtsvolles Warten brennt in den Herzen der Menschen. Immer und immer wieder – schon von Kind auf – hörten sie die alten Worte des Jesaja, die die Sehnsucht nährten: »Gott lässt euch nicht hängen! Sein Gesalbter, sein Messias, sein Christus kommt.« Sie haben es sich in ihren Gedanken ausgemalt, wie es sein wird, wenn der Sohn Davids auf den Plan tritt, der wahre König von Israel, der Schluss macht mit aller Not.

 

Jetzt endlich scheint der große Tag da zu sein. Die Menschen hält nichts mehr. Sie strömen hinaus vor die Tore der Stadt mit ihren Palmzweigen. Sie legen ihre Kleider auf den Boden und empfangen ihn – den König. Sie singen: „Hosianna, gelobt sei der da kommt im Namen des Herrn.“

 

Für die einen scheint in diesem Ausgenblick ganz klar zu sein: Ja, Jesus, der Mann, der auf dem Esel da reitet, ist der Christus. Er ist der, in dem alle Verheißungen, alle Versprechen Gottes zur Erfüllung kommen. Er ist es, von dem der Prophet Jesaja geschrieben hat.

 

Andere sehen in dieser Gestalt, die unter Beifall vieler in Jerusalem einzieht einen Hochstapler, einen Verräter der Sache Gottes, einen Volksaufwiegler und Scharlatan, der geschickt die Sehnsucht der Menschen für sich ausnützt. Und sie scheinen Recht zu behalten – denn die, die gerade noch begeistert „Hosianna“ rufen, werden wenige Stunden später voller Wut brüllen: „Kreuzigt ihn!“.

 

Der Weg des Messias sieht ganz anders aus, als die Menschen es erwartet haben. Und doch ist er vorgezeichnet in dem, was Gott durch Jesaja ansagen ließ. Erst im Nachhinein wurden uns die Augen geöffnet. Erst nach Karfreitag und Ostern können wir einordnen, was der Prophet ankündigte und wie sich dies in Jesus verwirklichte.

 

Schauen wir nochmals genauer hin, was Jesaja sagte und aufschrieb:

Der Messias Gottes das ist

  • der den Müden Zugewandte,
  • der aufmerksam Hörende,
  • der geduldig Leidende
  • und der von Gott Bestätigte.

 

1. Der Messias ist der den Müden Zugewandte

„Gott der HERR hat mir eine Zunge gegeben, wie sie Jünger haben, dass ich wisse, mit den Müden zu rechter Zeit zu reden.“

 

Der richtige Messias ist ein Sprachrohr Gottes. Er versteht sich als ein aufmerksamer Jünger, der sich von seinem Herrn und Lehrer die richtigen Worte auf die Zunge legen lässt. Da kommt kein neuer Gott, sondern ein Gesandter, ein Beauftragter, einer, der das ausführt, was ihm auferlegt wird. Die enge Verbundenheit zu Gott kommt deutlich zum Ausdruck. So wie es Jesus von sich sagt: „Ich und der Vater sind eins!“

 

Zu den Müden ist er gesandt. Zu denen, die aufgrund von Leid und Krankheit müde geworden sind. Denen das Leben übel mitgespielt hat. Die vom Leben und Gott enttäuscht sind. Ihnen gilt sein Herz. „Nicht die Gesunden, sondern die Kranken brauchen den Arzt“, kann Jesus zu den selbstgerechten Pharisäern sagen. Er will der Heiland der Müden sein.

 

2. Der Messias ist der Hörende

„Gott der HERR hat mir das Ohr geöffnet. Und ich bin nicht ungehorsam und weiche nicht zurück.“

Wer Helfendes von Gott erzählen möchte, wer den Müden das rechte Wort zu rechter Zeit sagen will, der muss zuerst auf Gott hören. Der muss sich von Gott seine Ohren öffnen lassen. Der muss mit Gott in innigstem Kontakt sein. Dem muss, was er hört, durchs Herz in die Hände gehen. Es darf nicht im Kopf stecken bleiben. Die Botschaft Gottes muss ihn berühren und von ihm im Gehorsam beantwortet werden. Das ist das Geheimnis der vollmächtigen Verkündigung und Seelsorge Jesu. Das ist, was den Gottesknecht im Jesajabuch prägt.

 

Hören und Tun werden eins. Hören, das nicht zur Tat wird, ist kein wirkliches Hören. Hören, verstehen und handeln sind eins. Untrennbar miteinander verwoben. So beschreibt Jesaja den Knecht Gottes, den Messias.

 

Das ist das, was im Grunde uns Menschen vom Messias unterscheidet. Was bei dem Gottesknecht hell leuchtet, das ging uns verloren: Das Hinhören wie Jünger hören und das Gehörte automatisch ins Lebens bringen. So ging uns die Vollmacht verloren und es gingen uns die rechten Worte für die Müden verloren.

 

Es gibt nur einen, der diesen engen Kontakt zu Gott nie verloren hat: Jesus Christus. Er hat es immer betont, dass er nur weitersagen kann, was er vom Vater empfangen hat. Dass er die Nähe des Vaters, das Hören auf ihn an jedem Tag braucht – und er hat es so gelebt. Er betet und er hört auf den Vater. Und selbst in der Nacht, als ihn Angst und Verzagtheit packt, wo er mit sich und seinem Vater ringt bleibt es am Ende doch dabei: „Dein Wille geschehe“. Die Passion Jesu erzählt es uns jedes Jahr neu: „Ich bin nicht ungehorsam und weiche nicht zurück.“

 

Weil Jesus ganz bei Gott blieb, darum ist er der, der Worte des ewigen Lebens für uns hat, der uns Müden das rechte Wort sagen kann, das Wort, das uns tröstet, das uns aufweckt, das unser Ohr öffnet, das uns zu Gottes Kindern macht.

 

3. Der Messias ist der Leidende

„Ich bot meinen Rücken dar denen, die mich schlugen, und meine Wangen denen, die mich rauften. Mein Angesicht verbarg ich nicht vor Schmach und Speichel.“

Dieser Vers aus dem Propheten Jesaja könnte genau so aus dem Munde der vier Evangelisten stammen, die das Leiden und Sterben Jesus uns in der Bibel überliefern. Wir singen in den Passionsliedern davon:

 

Du wirst gegeißelt und mit Dorn gekrönet,

ins Angesicht geschlagen und verhöhnet,

du wirst mit Essig und mit Gall getränket, ans Kreuz gehenket.

 

Und dann erkennen wir:

Was ist doch wohl die Ursach solcher Plagen?

Ach, meine Sünden haben dich geschlagen;

ich, mein Herr Jesu, habe dies verschuldet, was du erduldet.

 

Wie wunderbarlich ist doch diese Strafe!

Der gute Hirte leidet für die Schafe,

die Schuld bezahlt der Herre, der Gerechte, für seine Knechte.

 

4. Der Messias ist der von Gott Bestätigte

„Er ist nahe, der mich gerecht spricht; wer will mit mir rechten? Lasst uns zusammen vortreten! Wer will mein Recht anfechten? Der komme her zu mir!“

 

Was sich an Karfreitag kein Mensch vorstellen konnte, eben, dass Jesus der Christus ist, erkennen wir erst drei Tage später. Am Kreuz können wir nur das Scheitern Jesu sehen. Die Spötter hatten recht. Da hängt er und stirbt er, der von sich sagte, er sei das Leben. Was der Triumpf der einen war, war das blanke Entsetzen und die schlimmste Enttäuschung der anderen.

 

Doch Gott hat all diese Wahrnehmungen durchkreuzt. Mit der Auferstehung Jesus von den Toten bestätigt er Jesus Christus als seinen Sohn, als den Messias Gottes.

 

Der Messias Gottes das ist

  • der den Müden Zugewandte,
  • der aufmerksam Hörende,
  • der geduldig Leidende
  • und der von Gott Bestätigte.

 

Liebe Gemeinde, eigentlich kennen wir diese Botschaft im Grunde. Jedes Jahr erinnern wir uns in der Passionszeit daran.

 

Doch wer Jesus als den Christus ernst nimmt, wer ihm vertraut, der bleibt an dieser Erkenntnis nicht stehen. Jesus ist der Messias – er ist der Veränderer, der mein Leben erneuern möchte. Und ich möchte sein Jünger sein. Jemand, der wie er den Müden ein gutes Wort hat. Jemand, der wie er sich die Worte der Liebe und des Friedens auf die Zunge legen lässt. Der zur rechten Zeit weiß, was er sagen soll und wann er besser schweigen sollte. Ich möchte doch auch einer sein, bei dem Hören und Handeln keine zwei Paar Stiefel sind. Der gehorsam das lebt, was ihm von Gott aufgetragen ist – selbst, wenn das manchmal unbequem wird und auf Widerstand stößt.

 

Ja so eine und so einer möchte ich doch auch sein, von dem wir ganz zu Beginn des Gottesdienstes gesungen haben:

Er weckt mich alle Morgen,

er weckt mir selbst das Ohr.

Gott hält sich nicht verborgen,

führt mir den Tag empor,

dass ich mit seinem Worte

begrüß das neue Licht.

Schon an der Dämmrung Pforte

ist er mir nah und spricht.

 

Er spricht wie an dem Tage,

da er die Welt erschuf.

Da schweigen Angst und Klage;

nichts gilt mehr als sein Ruf.

Das Wort der ewgen Treue,

die Gott uns Menschen schwört,

erfahre ich aufs neue

so, wie ein Jünger hört.

 

Er will, daß ich mich füge.

Ich gehe nicht zurück.

Hab nur in ihm Genüge,

in seinem Wort mein Glück.

Ich werde nicht zuschanden,

wenn ich nur ihn vernehm.

Gott löst mich aus den Banden.

Gott macht mich ihm genehm.

 

Er will mich früh umhüllen

mit seinem Wort und Licht,

verheißen und erfüllen,

damit mir nichts gebricht;

will vollen Lohn mir zahlen,

fragt nicht, ob ich versag.

Sein Wort will helle strahlen,

wie dunkel auch der Tag.

Amen.

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