Die aktuelle Predigt

Pfarrer Hans Veit

 

 

 

 

 

Hier finden Sie die aktuelle Predigt vom letzten Gottesdienst.

"Suche den Frieden und jage ihm nach!"
Gedanken zur Jahreslosung 2019
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Aktuelle Predigt:

Liebe Gemeinde,

wie gehen Sie mit Konflikten um? Was ist da Ihre Strategie? Alles direkt ansprechen? Nur keinen Konflikt scheuen? Oder lieber der Auseinandersetzung aus dem Weg gehen – um des lieben Friedens willen? Welche Strategie ist zielführend?

 

Noch präziser: Wie gehen Christen mit Konflikten um? Welcher Stil und welche Strategie entspricht dem christlichen Glauben?

 

Für den heutigen Sonntag ist uns ein Bibelabschnitt aus dem ersten Brief des Paulus an die Gemeinde in Korinth vorgegeben. Deutlich spricht er eine Fülle von Konflikten in der Gemeinde an. Da gibt es vier Parteien, die einander gegenüber stehen – die Anhänger des Paulus, die des Apollos, des Kephas und eine Gruppe, die sich christisch nennt. Besonders die beiden Gruppen, die sich auf Paulus und Kephas  - gemeint ist Petrus – beriefen, stehen in ein paar Fragen unversöhnlich gegenüber. Paulus weiß sich zu den Heiden, vor allem zu den Griechen und Römer berufen; Petrus hat die Judenchristen und die gewohnten jüdischen Traditionen im Blick. Dazu gibt es Streit um das Abendmahl. Die freien Bürger kommen, wann sie wollten zum Essen -  die Sklaven, sobald  ihre Herren sie gehen lassen. Bis sie kommen, sind die »Platten geputzt«, und einige der Herren sogar betrunken. Die Sklaven bleiben hungrig!

 

Auch einige ethischen Fragen erhitzten die Gemüter. Fragen der Sexualität, der richtigen Moral und des Verhältnisses von Frau und Mann werden heftig diskutiert. Alles scheint im Umbruch zu sein – doch was gilt jetzt für eine christliche Gemeinde?

 

Selbst der, an den sie glaubten, ist umstritten. Offensichtlich lehnen einige die leibliche Auferstehung Jesu und die der Christen ab, weil mit dem Glauben und der Taufe der Christ doch schon neu geboren sei und gar nicht sterben kann.

 

Paulus schreibt also den 1. Korinther an eine zerstrittene und gespaltene Gemeinde. Sein Ziel ist, die Konflikte zu klären und der Gemeinde zur Einheit zu verhelfen. Wie will er das erreichen, wenn doch die Fronten ziemlich verhärtet sind? Wie geht er das Problem an? Hören wir seine Einleitung aus dem 1. Korintherbrief (1, 4-9):

„Ich danke meinem Gott immer wieder für die Gnade,

die er euch durch Christus Jesus geschenkt hat.

Durch ihn hat Gott euch an allem reich gemacht:

Reich an der Fähigkeit zu reden

und reich an Erkenntnis.

In gleicher Weise hat Gott

der Botschaft von Christus

bei euch einen festen Grund bereitet.

Deshalb fehlt euch keine der Gaben,

die er in seiner Gnade schenkt.

So vorbereitet, erwartet ihr

das Erscheinen unseres Herrn Jesus Christus.

Gott wird euch helfen,

bis zum Schluss fest auf diesem Grund zu stehen.

So kann an dem Tag,

wenn unser Herr Jesus Christus kommt,

keine Anklage gegen euch erhoben werden.

Gott ist treu.

Er selbst hat euch berufen

zur Gemeinschaft mit seinem Sohn Jesus Christus,

unserem Herrn.“

 

Haben wir richtig gehört? Da gibt es reichlich Spannungen und Streit in der Gemeinde und Paulus schriebt:

„Ich danke meinem Gott immer wieder für die Gnade,

die er euch durch Christus Jesus geschenkt hat.

Durch ihn hat Gott euch an allem reich gemacht:

Reich an der Fähigkeit zu reden

und reich an Erkenntnis.“

 

Was ist denn das? Eine freundliche Einleitung, um dann nachher richtig zur Sache zu kommen? Ist es Schmeichelei – ein rhetorisches Mittel, um bei den so unterschiedlichen Positionen Gehör und Anerkennung zu finden?

 

Paulus nimmt die Gemeinde ins Gebet – aber ganz anders, wie wir das manchmal verstehen. Jemanden ins Gebet nehmen, heißt ja bei uns: Einem mal ordentlich die Meinung sagen. Tacheles reden. Kräftig und deutlich dem anderen die Meinung geigen. Am Ende fühlt sich der, der seine Meinung von sich gegeben hat, richtig gut. »Das musste ja doch einmal gesagt werden!«, denkt er sich und geht hocherhobenen Hauptes von dannen. Er hat den anderen eben so richtig ins Gebet genommen. Er hat ihn fertig gemacht.

 

Ganz anders Paulus. Ins Gebet nehmen heißt bei Paulus zuerst: Gott danken. Gott allezeit danken für diese Gemeinde. Da passiert etwas anderes. Eine Gemeinde, die so ins Gebet genommen wird, die steht ganz anders da. Die kann auch ganz anders zuhören. »Ich danke Gott allezeit euretwegen«, sagt Paulus der Gemeinde in Korinth. Die werden sich die Augen dabei gerieben haben vor Verwunderung. Paulus dankt ihretwegen Gott allezeit, wenn er an diese Gemeinde denkt. Sie haben zuvor doch einen Brief an Paulus geschrieben und ihm ihre Nöte geschildert. Die sind nicht gering. Eine Gemeindespaltung steht bevor. Sie holen schriftlich Rat bei Paulus. Denn ein Bruch darf nicht geschehen. Das wissen sie. Und nun antwortet Paulus gleich am Anfang: »Ich danke meinem Gott allezeit euretwegen.«

 

Paulus nimmt die Gemeinde ins Gebet – und das heißt für ihn:

 

1. Gott für den anderen danken

Und Paulus antwortet: » Ich danke meinem Gott immer wieder für die Gnade,

die er euch durch Christus Jesus geschenkt hat.« Paulus meint das ernst. Es ist nicht so dahingeredet, wie es manche eben machen: Zuerst das Lob und hinterher die Kritik. Erst schmeicheln und dann deutlich den anderen sagen, wie sehr sie im Unrecht sind. Paulus hat da eine ganz andere Haltung. Er kann die Gemeinde mit den Augen Gottes sehen. Für Gott ist diese Gemeinde ein großer Schatz. Genau so, wie sie ist. Mit all ihren Widersprüchen, die es auch gibt und von denen Paulus später dann auch redet. Zunächst aber muss gesagt werden: Gott steht für euch ein. Ihr, liebe Gemeinde in Korinth, ihr seid Gott wichtig. Denn in dieser Gemeinde wird Gott erlebt. Auch in dieser Gemeinde wird das Evangelium von Jesus Christus verkündigt. In dieser Gemeinde wird es gelebt. In ihr gibt es viele Gaben. Darum dankt er. Allezeit. Immer, wenn er im Gebet diese Gemeinde vor Gott bringt.

 

Die Streithähne in Korinth sehen nur noch auf das, was trennt. Das, was verbindet, rückt in den Hintergrund. Es wird nicht mehr richtig wahrgenommen. Das, was die Gemeinde an Gutem bewirkt, wird kleingeredet. Paulus fordert sie heraus, als erstes die Perspektive zu wechseln: Liebe Geschwister in Korinth! Gott ist bei euch erlebbar. Ihr lebt nach dem Evangelium. Ihr seid in Ordnung. Ihr habt gute Fähigkeiten, miteinander zu reden und miteinander auszukommen.

 

2. Den anderen ins Gebet nehmen heißt: Suchen, was der Gemeinschaft dient

Paulus ist ein guter Seelsorger. Ein guter Pädagoge. »Schaut doch auf das, was ihr von Gott empfangen habt!«, sagt er mit diesem Briefanfang. Und das ist viel. »Ihr habt keinen Mangel an irgendeiner Gabe.« Verwundert werden die Korinther das gelesen haben. Den einen gibt es nicht genug Geistesgaben in der Gemeinde. Die anderen schauen kritisch auf ethische Fragen wie Unzucht oder das Vorgehen bei Rechtsangelegenheiten innerhalb der Gemeinde. Oder wie man miteinander das Mahl des Herrn feiern soll. Das sind wirklich wichtige geistliche Fragen, die die Korinther umtreiben. Und jetzt sagt Paulus: »Ihr habt keinen Mangel an irgendeiner Gabe.«

 

Paulus macht die Korinther zunächst auf ihre Grundlage aufmerksam. Bevor er auf die Einzelheiten eingeht, versichert er den Streitenden, was sie trotz allem verbindet. Es sind die Gaben, die ihnen von Gott geschenkt wurden. Es ist der Grund, auf dem sie als Gemeinde stehen. Er weist sie auf die wichtigste Gabe, auf Christus und seine Botschaft hin. Und er weist sie darauf hin, dass sie eben noch auf Erden leben und nicht schon im Himmel sind.

 

Er gibt damit einen wichtigen Hinweis, der in allen Konflikten hilfreich ist: „Fragt doch bei jedem Streitpunkt ernsthaft: Was dient dem Zusammenhalt der Gemeinde? Erleichtert die Antwort, die gegeben wird, das gemeinsame Leben?“ Oder wie er später in diesem Brief an die Korinther sagen wird: »Niemand suche das Seine, sondern was dem andern dient.« Wo dies die Perspektive in einer Auseinandersetzung ist, da kommt man wieder zusammen.

 

3. Ins Gebet nehmen heißt: Wissen, dass wir alle Gottes Treue brauchen

Paulus weißt als Drittes auf etwas entscheidendes hin. Auch wenn wir im Glauben einmal ausrutschen und mit unserer Meinung ganz daneben liegen, bleibt Gott uns treu. Weil wir auf dieser Erde leben, werden wir nie perfekt sein. Keine und keiner hat die ganze Wahrheit verstanden. Auch keiner hat sie gepachtet. Aber eines soll uns in unserem Glauben begleiten: Die Treue Gottes. Gott steht zu uns. Er will mit uns zu tun haben. Selbst wenn wir auf Abwege geraten. Gott geht uns nach. Er holt uns zurück. Er will Gemeinschaft mit uns haben. Darum führt er uns immer wieder zu sich zurück. Gott bleibt uns treu. Und weil Gott uns treu ist, weil Gott uns und unserem Glauben traut, können wir auch als Gemeinde uns gegenseitig vertrauen.

 

Darum 4. Ins Gebet nehmen heißt: Gott ist uns treu, darum können auch wir einander treu sein

Das ist der Schlüssel. Das ist der Boden für alle Auseinandersetzungen und für jeden ernsthaften Streit in einer christlichen Gemeinde. Darum dankt er allezeit für die Gnade Gottes. Die Grundlage ist gelegt. Die Gemeinde steht auf der Basis von Jesus. In seinem Licht zu streiten, schafft Klarheit. Im Bewusstsein, dass er mitten unter den Streitenden ist, gehen alle miteinander anders um. Sie wissen: Wir brauchen Gottes Treue. Weil er uns treu ist, werten wir den anderen nicht ab. Denn uns verbindet der Glaube an Christus. So wie Christus uns zuhört, hören wir auch anderen zu. Christus zeigt uns den Weg aufeinander zu. Wir sind untereinander verbunden in der Gemeinschaft, die Christus uns geschenkt hat.  

 

Lasst uns das von Paulus und den Christen von Korinth neu lernen:

1. Lasst uns Gott für den anderen danken.

2. Lasst uns miteinander suchen, was der Gemeinschaft dient.

3. Lasst uns nicht vergessen, dass wir alle Gottes Treue brauchen.

4. Lasst uns deshalb auch einander treu sein.

 

Vor allem aber: Betet und dankt Gott für die Menschen, mit denen wir im Konflikt stehen. Damit stellen wir alle Gespräche und Auseinandersetzungen auf die richtige Basis.

 

„Ich danke meinem Gott immer wieder für die Gnade,

die er euch durch Christus Jesus geschenkt hat.

Durch ihn hat Gott euch an allem reich gemacht.“ Amen

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