Die aktuelle Predigt

Pfarrer Hans Veit

 

 

 

 

 

Hier finden Sie die aktuelle Predigt vom letzten Gottesdienst.

Aktuelle Predigt:

 

Liebe Gemeinde, um es vorweg zu nehmen: Heute ist uns ein schwieriger Bibelabschnitt vorgegeben. Er will nicht in unsere Zeit passen. Und doch meine ich, dass dieser Ausschnitt aus dem Brief des Apostels Paulus an die Korinther für uns wegweisend sein kann – selbst, wenn er quer zum heutigen Zeitgeist liegt.

 

Paulus geht in seinem Brief auf Fragen der christlichen Gemeinde in Korinth ein. Es geht dabei um viele ethische Fragestellungen: Wie leben wir Beziehungen? Wie gehen wir mit den jüdischen Speisegeboten und Feiertagsgeboten um? Wie leben wir als Christen in einer bedrängten Zeit?

 

Seine Antworten auf konkrete Lebensstilfragen stehen unter einer Hauptüberschrift: „Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dienst zum Guten. Alles ist mir erlaubt, aber es soll mich nichts gefangen nehmen.“ Wenn wir also fragen: Was wollen wir Danil mit auf den Lebensweg geben oder was könnte ein Maxim für unser Lebens sein, finden wir hier einen guten Lebenssatz: „Alles ist erlaubt – aber nicht alles ist gut für mich und meinen Nächsten.“

 

Was Paulus aber dann schreibt, lässt aufhorchen und vielleicht auch verwundern. Ich lese uns den Predigttext aus 1. Kor 7, 29-31:

„Das sage ich aber, liebe Schwestern und Brüder: Die Zeit ist kurz. Es sollen die, die Frauen haben, sein, als hätten sie keine; und die weinen, als weinten sie nicht; und die sich freuen, als freuten sie sich nicht; und die kaufen, als behielten sie es nicht;

und die diese Welt gebrauchen, als brauchten sie sie nicht. Denn das Wesen dieser Welt vergeht. Ich möchte aber, dass ihr ohne Sorge seid.“

 

In der neuen Genfer Übersetzung hört sich das so an:

„Eins ist sicher, Geschwister: Es geht immer schneller dem Ende zu. Deshalb darf es in der Zeit, die uns noch bleibt, beim Verheirateten nicht die Ehe sein, die sein Leben bestimmt; beim Traurigen darf es nicht die Traurigkeit sein und beim Fröhlichen nicht die Freude. Wer etwas kauft, soll damit so umgehen, als würde es ihm nicht gehören, und wer von den Dingen dieser Welt Gebrauch macht, darf sich nicht von ihnen gefangen nehmen lassen. Denn die Welt in ihrer jetzigen Gestalt ist dem Untergang geweiht.  Ich möchte, dass ihr frei seid von ´unnötigen` Sorgen.“

 

1. Die Zeit ist knapp

Die Zeit ist knapp. Das stimmt, lieber Paulus. Wenn du nur wüsstest, wie knapp die Zeit heute, zwei Jahrtausende später, geworden ist. Gestresste Menschen sind wir. Die Zeit ist knapp, und nicht wenige unter uns stressen sich so sehr, dass sie sich ausgebrannt und völlig leer fühlen. Das sagt uns der Zeitgeist: Die Zeit ist knapp – nutze sie aus.

 

Anders gesagt: Wir sind gefangen in dem, was uns die Werbung oder was uns der Zeitgeist abverlangt. Da wird gesagt, was gut für uns sei – etwas ganz anderes, als das, was der Wochenspruch meint. Gut ist, gut auszusehen, jung und fit zu sein, Freizeit zu genießen, die Welt mit ihren Möglichkeiten auszukosten und und und… Bei jeder KONFI3-Planung sind wir überrascht, welchen Terminkalender schon neunjährige Kinder haben. Nur nicht zu kurz kommen. Wir erinnern uns: „Alles ist erlaubt, aber nichts soll uns gefangen nehmen“?

 

Bei Paulus ist aber etwas anderes zuerst gemeint, wenn er schreibt: „Die Zeit ist kurz.“ Die Knappheit der Zeit bemisst sich für ihn nicht an der Ruhelosigkeit und Hektik der Zeit, sondern im Vertrauen: Jeden Tag kann unser Herr wiederkommen. Es kann jeden Tag zu Ende sein mit dem Leben auf dieser Erde. Jeder Tag kann der letzte sein. Deshalb ist die Zeit knapp. Und deshalb, liebe Leute von Korinth, liebe Leute hier in Knittlingen, deshalb stellt euer Leben auf den Prüfstein.

 

Ja, die Zeit ist knapp: Paulus glaubte, dass Jesus nach seinem Tod und seiner Auferstehung sehr bald wiederkommt und endgültig sein Reich – das Reich Gottes – zur Vollendung bringt. Nach 2.000 Jahren ist diese Naherwartung weitgehend verflogen. Wir wissen heute, dass Gott einen anderen Plan hatte, dass er mit dieser Welt einen längeren Weg geht. Und trotzdem gilt es: Lebt auch heute so, dass er heute wiederkommen kann in seiner Herrlichkeit. Denn diese Verheißung besteht immer noch und steht noch aus.

 

In Klammer: Als Notfallseelsorger erlebe ich es laufend, wie knapp unserer Zeit bemessen sein kann und dass dies für alle Lebenszeiten gilt. Jeder Tag kann der letzte Tag meines Lebens sein.

 

2. Die »Als-ob-nicht-Haltung«

Wenn das Ende kommt, dann sind alle meine Pläne Schall und Rauch. Was wir uns vorgenommen haben, wird über den Haufen geworfen. Alles, was geplant war, ist dann zu vergessen. Was also braucht es zum Leben, wenn es morgen schon vorbei sein kann? Was ist da eine kluge und weise Haltung? Paulus empfiehlt, sich eine »Als-ob-nicht-Haltung« anzueignen: verheiratet sein, als ob man es nicht wäre – weinen, als ob man es nicht täte – sich freuen, als freute man sich nicht – kaufen, als besäße man es nicht.

 

Doch: Wie bitteschön soll das gehen? Ich kann doch nicht verheiratet sein, als ob ich es nicht wäre. Ich kann doch nicht traurig sein, als wäre ich es nicht. Das ist doch ein Ding der Unmöglichkeit!

 

Wenn ich ein Eheversprechen abgegeben habe, dann muss und will ich es einhalten und alles dafür tun, dass ich auch im nächsten Jahr noch verheiratet bin. Paulus selbst schreibt in seinem Brief an die Korinther, dass dies ein hohes Gut ist.

 

Und wenn ich traurig bin, dann fühle ich das so. Ein Gefühl lässt sich schließlich nicht einfach per Beschluss ablegen wie ein Mantel, den man an der Garderobe abhängt. Wie, lieber Paulus, kommst du denn zu dieser »Als-ob-nicht-Haltung«?

 

Nun, es scheint, als ob bei ihm alles an diesem kleinen Satz hängt: „Die Zeit ist kurz.“

 

3. Die Welt vergeht …

»Das Wesen dieser Welt vergeht.« Das ist die Antwort von Paulus. Er schreibt den Korinthern sinngemäß: „Wenn Jesus wieder kommt, werden wir alles vergessen, was vorher so wichtig war. Es spielt auf einmal keine Rolle mehr. Alle Sorgen waren umsonst.“ Und deshalb, meint er, ist es doch nicht sinnvoll, die ganze Lebensenergie für diese Welt und dieses Leben aufzuwenden. Schaut auf das, was über diese Welt hinaus Bestand hat. Fragt: Was braucht es zum erfüllten Leben? Mit der Perspektive, dass die Ewigkeit direkt vor der Haustür steht, wird es auf diese Frage einen andere Antwort geben, als die, die wir landläufig hören. Dann wird unser Leben von der Gewissheit getragen, dass die Zeit auf dieser Erde knapp ist, wir aber dann – anschließend – ewig Zeit haben. Diese Perspektive verändert.  Sie lässt uns ganz anders denken und handeln. So ist meiner Meinung nach die »Als-ob-nicht-Haltung« des Paulus zu verstehen, die er den Menschen in Korinth ins Stammbuch schreiben wollte.

 

„Haben, als habe man nicht“ – diese Haltung kann uns in eine ganz große Freiheit führen. Wir fragen dann nicht nach Werbung und Zeitgeist, sondern nach dem, was wirklich dient. Was wirklich gut tut. Was auch Ewigkeitswert hat. Wenn ich weiß, dass ich nach der begrenzten Zeit dieser Welt ewig Zeit habe bei Gott, muss ich nicht alles in dieses Leben hineinpacken. Dann muss mir selbst mein Ehepartner nicht alles sein. Dann überfrachte ich diese Beziehung und diesen Menschen nicht mit allen Erwartungen. Dann muss mir mein Partner nicht alles Lebensglück dieser Welt verschaffen.

 

Und nur so kann ich die Aussage über die Traurigkeit auch einordnen. Wenn ich weiß, dass es ein Leben nach dem Tod bei Gott gibt, in dem ewig Zeit für ein Miteinander bleibt, dann muss auch die Trauer um einen geliebten Menschen mich nicht so gefangen nehmen. Dann gibt es Hoffnung mitten in der Trauer.

 

Natürlich müssen wir mit solchen Aussagen vorsichtig sein. Wie missverständlich können sie mitten in der Trauer wirken. Zu trauern, einen geliebten Menschen hergeben zu müssen, ist eine große Zumutung, ist schmerzhaft und kostet Kraft. Ja, trauern hat seine Zeit. Aber dann hat auch wieder Hoffnung und Freude seine Zeit. Alles zu seiner Zeit – und nichts soll mich gefangen nehmen.

 

Viel einfacher ist die Übertragung dieser Gedanken auf unseren Besitz. Dafür haben wir eigentlich ein gutes Gespür. Wir sagen es doch immer. „Ich kann nichts mitnehmen.“ Weil ich weiß, dass weder teure Autos noch schöne Häuser noch teure Urlaubstage in den besten und teuersten Hotels diese Welt überdauern werden, muss ich nicht immer noch angestrengter dafür arbeiten und meine ganze Lebensenergie darin vergraben. Wenn ich voller Hoffnung bin, dass die Ewigkeit Gottes alle Schönheit und Pracht dieser Welt in den Schatten stellt, dann muss ich nicht verbissen oder gar ängstlich an meinem Besitzstand hängen. Wenn Jesus wiederkommt, ist das eh alles belanglos. Also: Freuen wir uns an dem, was Gott uns schenkt. Und sorgen uns nicht um das , was uns fehlt. Vielleicht ist morgen schon alles vorbei – und deshalb sollten wir uns nicht aus lauter Angst um unseren Besitz, um unser Haben, schlaflose Nächte bereiten.

 

4. Und trotzdem: Heute leben!

Paulus möchte ja nicht auf die Ewigkeit vertrösten. Er möchte keine Weltflucht. Nichts soll verdrängt werden. Martin Luther wird ja der Satz zugeschrieben: »Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.« Er bringt die Leichtigkeit zum Ausdruck, mit der wir mit alldem umgehen dürfen, was Gott uns schenkt. Wir brauchen nicht ständig darauf zu schielen, was wohl einmal aus dem werden wird, was wir heute tun. Im Sinne des Luther-Zitates hieße das: Selbst wenn wir heute schon sicher wüssten, dass morgen alles vorbei ist, dürften wir trotzdem heute getrost und voller Freude das tun, was an diesem Tag zu tun ist: Habe ich ein Apfelbäumchen, das in die Erde gehört, dann pflanze ich es heute ein. Ich tue das ohne Kalkül und mache die Pflanz-Aktion nicht davon abhängig, ob ich selbst Äpfel ernten werde. Oder mit den Worten Jesu in der Bergpredigt hieße das: »Sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen.« (Matthäus 6, 34)

 

5. Drei Dinge brauchen wir

Was also braucht es wirklich zum Leben? Was macht uns glücklich und fröhlich? Was ist gut für uns und unser Leben? Unser Wochenspruch formuliert: »Es ist dir gesagt Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert. Nämlich: Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.« So gesehen braucht es zum Leben also drei Dinge: Erstens – lebt nach Gottes Wort, nach seinem Willen, nach seinen guten Ordnungen und Geboten. Zweitens – liebt euren Nächsten – und seid 3. euch bewusst, wem ihr euer Leben verdankt und wer euch täglich mit allem beschenkt, was ihr zum Leben braucht.

 

Das »Als-ob-Nicht-Konzept« des Paulus will uns also das Leben auf dieser Welt nicht vermiesen oder madig machen. Sondern es weist uns auf das Wesentliche hin: Lebt euer Leben in dem Horizont der Ewigkeit Gottes. Erwartet und verlangt nicht alles von euch, von eurer Familie, von eurem Besitz. Sondern lebt jeden Tag als das, was er ist: als ein Geschenk Gottes. Dabei haltet Gottes Wort, überseht den Nächsten nicht und seid Gott dankbar für alles, was er euch jeden Tag schenkt. Das braucht es zum Leben. Amen.

 

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