Die aktuelle Predigt

Pfarrer Hans Veit

 

 

 

 

 

Hier finden Sie die aktuelle Predigt vom letzten Gottesdienst.

Aktuelle Predigt:

Liebe Gemeinde,

wir machen heute eine Zeitreise ins 1. Jahrhundert nach Christus. Wir befinden uns in der damaligen Weltstadt Korinth in Griechenland. Korinth war eine große Hafenstadt, die Schnittstelle zwischen dem östlichen und dem westlichen Mittelmeer. Hier legten Schiffe aus allen Herren Länder an, um Waren umzuladen. Hier konnte man alles kaufen, was die damalige Welt zu bieten hatte. Hier trafen sich Menschen aus unterschiedlichen Kulturen. Junge Leute heute würden vielleicht sagen: „Hier geht der Punk ab.“ Und so wie es in der Hafenstadt Hamburg die Reeperbahn gibt, so hatte auch Korinth seine Amüsiermeilen. Das griechische Slangwort für »ein ungezügeltes sexuelles Lotterleben führen« heißt »korinthiazesthai«; übersetzt: »sich aufführen wie die Korinther«.

 

Mitten in der Stadt stand der große Tempel der Liebesgöttin Aphrodite. In den Häusern rund um das Heiligtum lebten Priesterinnen, die den Tempelbesuchern gegen Bezahlung zur Verfügung standen. Der Besuch bei diesen Frauen galt in der damaligen Zeit für viele als nicht anstößig, sondern war so selbstverständlich wie der Gang zum Frisör. Genau so war es in, sich mit jungen Männern in den Stundenhäusern oder zuhause zu vergnügen. Manche Männer hielten sich einen Lustknaben wie einen Sklaven.

 

In dieser Stadt Korinth lebt eine christliche Gemeinde. Mitten im Hafenviertel, wo Menschen Tag und Nacht ihr Vergnügen suchen, treffen sich die Gläubigen zu Gottesdienst und Abendmahl. Sklaven sind dabei, Hausfrauen, reiche Kaufleute, Matrosen und Hafenarbeiter, Küchenmägde und sogar einige Tempeldirnen, Einheimische und Migranten – eine bunte Mischung, genau wie die Bevölkerung von Korinth. Eine Vielfalt an Lebensstilen prallt da aufeinander. Die Unterschiede sind groß, kulturelle Gemeinsamkeiten gibt es nur wenige. Dafür um so mehr Spannungen. Die Gemeinde drohte daran zu zerbrechen. Dies alles kommt Paulus zu Ohren und er reagiert in einem Brief. Sein Ziel ist klar: Wie kann es gelingen, dass die unterschiedlichen Christen zu einer tragfähigen Gemeinschaft finden? Und wie kann eine christliche Gemeinde Licht in dieser Welt sein? Wie lebt sich in so einer Umgebung? Hören wir als Predigttext die Passage aus dem langen Brief, in der Paulus konkret auf die ethischen Fragen eingeht:

 

(Lesung Gerhard:)

9 Das müsstet ihr doch eigentlich wissen:

Wer Unrecht tut,

wird keinen Anteil an Gottes Reich erben.

Macht euch nichts vor!

Das betrifft Menschen,

die in verbotenen sexuellen Beziehungen leben,

die Götzen dienen

oder die Ehe brechen.

Das betrifft auch Männer,

die sich wie Frauen verhalten

oder mit Männern schlafen.

10 Und das betrifft Diebe,

Habgierige,

Säufer

und Menschen, die andere verleumden

oder berauben.

Sie alle werden keinen Anteil am Reich Gottes erben.

11 Manche von euch gehörten früher dazu.

Aber ihr seid reingewaschen worden.

Ihr seid zu Heiligen geworden

und von Gott als gerecht anerkannt –

durch den Herrn Jesus Christus,

in dessen Namen ihr getauft seid,

und durch den Geist unseres Gottes.

Nochmals zu sexuellem Fehlverhalten: Der Körper des Christen gehört Gott

12 »Ich darf alles!« –

Aber das heißt nicht,

dass auch alles gut für mich ist.

»Ich darf alles!« –

Aber das bedeutet nicht,

dass ich mich von irgendetwas beherrschen

lasse.

13 »Das Essen ist für den Magen da

und der Magen für das Essen!«

Aber Gott wird sowohl dem einen

als auch dem anderen ein Ende bereiten.

Denn unser Leib ist nicht

für verbotene sexuelle Beziehungen da,

sondern für den Herrn. –

Und der Herr sorgt für den Leib:

14 Gott hat den Herrn vom Tod auferweckt.

Durch seine Kraft wird er auch uns auferwecken.

18 Hütet euch vor verbotenen sexuellen Beziehungen!

Jede andere Schuld,

die ein Mensch auf sich lädt,

betrifft nicht seinen Leib.

Wer aber in verbotenen Beziehungen lebt,

wird schuldig an seinem eigenen Leib.

19 Oder wisst ihr nicht,

dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist?

Der ist in euch,

Gott hat ihn euch geschenkt!

Nun gehört ihr nicht mehr euch selbst.

20 Gott hat euch freigekauft.

Sorgt also dafür,

dass euer Leib Gott Ehre erweist!

 

Unzüchtige, Götzendiener, Ehebrecher, Knabenschänder, Diebe, Habgierige, Trunkenbolde – das sind harte Worte, die im griechischen Urtext stehen. Was Paulus hier sagt, ruft er nicht in eine Hafenkneipe hinein. Er schreibt an Menschen, die ihr Leben in der Taufe Jesus übergeben haben. Die alles das eigentlich hinter sich gelassen haben – aber wohl nur teilweise. Was der Apostel aufzählt, war in der Gemeinde in Korinth offenbar immer noch vorhanden. Unzucht, Ausschweifungen, Alkoholmissbrauch – wie konnte es dazu kommen? Und was wäre ein Gegenmodell, ein Lebensmodell, das wie ein helles Licht in die Gesellschaft strahlt.

 

1. Alles ist mir erlaubt!

Alles ist mir erlaubt! Das war ein Kernsatz der damaligen Gesellschaft – und auch der Christen in Korinth. Paulus selbst hat es doch so geschrieben. »Zur Freiheit hat uns Christus befreit!«. Und auch: »Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit«. Einige Korinther legten sich das so aus: Wir leben jetzt schon im Reich Gottes. Christus hat uns von unserem irdischen Leben erlöst. Wir sind mit ihm schon auferstanden. Deshalb ist nicht wichtig, was der Körper tut. Im Geist sind wir erlöst, unsere Seele ist frei – der Körper kann tun und lassen, was er will. Ob wir die Ehe brechen, ob wir uns betrinken oder bei einem Festmahl vollfressen – das hat mit unserem Glauben eigentlich wenig zu tun, das geht nur unseren Körper etwas an. Und der Körper muss sowieso einmal sterben. Im Predigttext wiederholt Paulus, was die Christen in Korinth zueinander sagen: »Das Essen ist für den Magen da und der Magen für das Essen!« Warum sollen wir dann die Wünsche und Begierden unseres Körpers nicht ausleben? Im Geist durch Christus erlöst und mit dem Bauch das Leben in der Welt genießen – so sahen und lebten manche der Christen in Korinth ihr Christsein.

 

Aber es gab auch andere. Das lesen wir ebenfalls im Korintherbrief. Besonders Christen jüdischer Prägung, bei denen Speisegebote und die Gebote zum sexuellen Leben noch tief verankert waren, sahen das alles mit Entsetzen. Wir können es uns wahrscheinlich vorstellen, dass hier Welten aufeinander prallten

 

Wie reagiert nun Paulus? „Jawohl, ihr habt recht,“ schreibt er, „es stimmt: Alles ist mir erlaubt! Als Christen haben wir volle Freiheit. Wir dürfen das Leben genießen. Wir können essen und trinken, was uns gut tut. Wir dürfen uns freuen an den schönen Dingen dieser Welt!“ Aber er führt dieses Satz weiter, ergänzt ihn: „Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten.“ Echte Freiheit schadet nicht. Sie muss mir und den Anderen gut tun. Sonst ist es keine evangelische Freiheit. Denn evangelische Freiheit dient mir und anderen zum gelingenden, erfüllten Leben und geht nie auf Kosten anderer.

 

Wir können das einfach auf heute übertragen: Fernsehen und Internet suggerieren, dass sexuelle Freiheit ganz normal ist. Fast kein Liebesfilm oder Krimi ohne nackte Haut, kein Drehbuch ohne Seitensprung und Scheidung, alle Hemmungen und Hüllen werden fallengelassen. Und unzählige Seiten im Internet, die noch weiter gehen. Das Publikum schaut zu und lässt sich irgendwann einreden: Erlaubt ist, was gefällt.

 

Aber – und das ist die Frage von Paulus: Dient es uns zum Guten? Tut es mir, meiner Partnerin oder meinem Partner, meinen Kindern, unserer Gesellschaft gut? Oder prägt es uns in eine ganz bestimmte Richtung, unter der wir und andere später fürchterlich zu leiden haben. Treue scheint altmodisch – Liebe braucht Abwechslung. Die Ergebnisse einer solchen Lebensweise zeigt das Fernsehen meist nicht. Verletzte Gefühle und enttäuschte Menschen, Scheidungskinder und Trennungskämpfe.

 

Ja, alles ist erlaubt und möglich – doch dient es dem Guten? Tut es mir und anderen wirklich gut? Diese Frage mutet Paulus den Korinthern und uns zu.

Und erführt weiter aus: „Alles ist mir erlaubt, aber nichts soll dabei Macht haben über mich gewinnen.“

 

Also: 2. Nichts soll Macht über mich haben

Christus hat mich befreit von der Macht der Sünde und der Macht des Bösen. Deshalb darf jetzt nichts anderes Macht über mich haben. Das ist Paulus unendlich wichtig. Wenn nackte Haut, Ehebruch und Unzucht im Alltag allgegenwärtig sind, wenn alles erlaubt ist, was gerad gefällt, dann verlieren Menschen ihre Ethik. Sie verlieren den Rahmen. Sie merken gar nicht, wie dies alles sie beeinflusst und verändert. Wie dies Macht über sie erhält.

 

Paulus schreibt in diesem Zusammenhang auch vom Götzendienst. Woran unser Herz hängt, das ist unser Gott. Wie rasch vergötzen wir unseren Besitz: Das Haus, das Auto, die Aktien, den Urlaub – immer weiter, immer exklusiver und teurer. Wir meinen die Dinge zu besitzen – und Paulus fragt, ob es nicht gerade umgekehrt ist - , dass diese Dinge uns besitzen. Uns unsere Freiheit kosten. Er spricht von Habgier und Geiz; davon, dass Menschen ihr Herz hart machen, nur noch sich selbst sehen. Und er warnt vor Diebstahl, dass wir andere berauben, um noch mehr zu haben und zu raffen.

 

Das führt ihn zu seinem dritten Gedanken:

3. Ihr seid ein Haus Gottes

Paulus fragt: Wisst ihr nicht, dass euer Körper ein Tempel des Heiligen Geistes ist? Habt ihr vergessen, dass Gott selbst in seinem Geist in euch wohnt?

 

Ich lade Sie zu einem kleinen Gedankengang ein: Wenn Sie zuhause Besuch erwarten, dann wird ihr Haus in Ordnung gebracht. Sie wollen sich von der Besten Seite zeigen. Und je wichtiger Ihnen der Gast ist, um so mehr Energie bringen Sie dafür auf, das Haus auf Hochglanz zu bringen. So – schreibt Paulus – so ist es doch logisch, dass wir unser Lebenshaus auch in Ordnung halten, damit der größte und wichtigste Gast, den wir uns vorstellen können, Gott selbst, sich wohl bei uns fühlt. Auch ihm wollen wir uns von der besten Seite zeigen. Auch da gilt: „Alles ist erlaubt, aber nicht alles gefällt Gott.“

 

In einem anderen Bild ausgedrückt: Ein Tempel ist ein besonderes Bauwerk. Wer in Rom den Petersdom besuchen will, macht zuerst die folgende Erfahrung. Am Eingang stehen Männer in schwarzen Anzügen; jeder Besucher wird kontrolliert. Wer eine kurze Hose oder einen Minirock trägt, muss draußen bleiben. Nicht alles ist erlaubt, sondern die Kleidung soll der Würde des Gotteshauses entsprechen. Nun, über diese Tradition lässt sich trefflich streiten – ich meine, dass Gott weder die kurze Hose, noch der Minirock groß stört, aber der Gedanke ist verständlich: Das Äußere des Menschen soll der Würde des Hauses entsprechen. Auch aus Ehrfurcht, für was der Dom eigentlich steht.

 

Ich fasse zusammen: Drei Gedankengänge sollen den Christen in Korinth helfen, so zu leben, dass es Gott und der Gemeinde entspricht. Drei Gedankengänge sollen ihn helfen, evangelische Freiheit zu leben. Es sind drei Grundhaltungen, die Einheit in der Gemeinde schaffen und sie einladend machen sollen. Es sind drei Grundhaltungen, die unserem Miteinander mit Gott entsprechen. Ich denke, es sind auch drei Grundanliegen, die heute noch gelten. Die uns heute helfen – ganz im Sinne des Wochenspruches, authentisch und ausstrahlend unser Christsein zu leben.

 

1. „Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten.“

Wir fragen, was mir, dem Nächsten und Gott zum Guten dient.

 

2. „Nichts soll Macht über mich gewinnen.

Wir fragen, wo uns die Freiheit genommen wird – durch unser Streben nach Haben, durch falschen Götzendienst.

 

3. „Wir sind ein Tempel des Heiligen Geistes“

Wir fragen, ob sich Gott in meinem Lebenshaus wohl fühlt. Er soll in mir wohnen und er soll sich dabei zuhause fühlen. Wie lebe ich meinen Alltag, dass er ein angenehmer Wohnraum des heiligen Geistes wird?

 

Lasst uns diese drei Grundhaltungen heute wieder neu mitnehmen in unseren Alltag. Damit es mir, den anderen und Gott gut tut.

 

„Lebt als Kinder des Lichts. Die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.“ Amen

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